ECMC 2014 - STHLM - Tag 3


Der Freitag begann mit schönstem Sonnenschein, Floskeln übers Wetter und, bei den meisten, erstmal mit einem Konterbier. Wie schon am Tag zuvor trudelten nach und nach Menschen aus aller Damen Länder am Hauptquartier ein, entstanden Gespräche und wurden Kontakte auf- und ausgebaut.

Als der größte Teil der Gruppe zur Sightseeing-Tour durch Stockholm aufbrach, wurde mir dringend nahe gelegt, mich nochmal für eine Stunde hinzulegen und ein bisschen zu Schlafen.
Da ich in der gesamten Nacht nicht mehr als 2h geschlafen hatte, nahm ich mir den Ratschlag zu herzen und legte mich für einige Zeit auf meinen Schlafsack. Mein Fahrrad überließ ich Friederike, damit sie auch mal in den Genuss käme Stockholm mit dem Rad zu erleben. Die nächsten Stunden verliefen ziemlich ereignislos, obwohl ich nicht einschlafen konnte. Ich lag also auf/neben/in mit meinem Schlafsack da, schwitzte, hörte Lennart beim Ocarina of Time auf seinem 3DS spielen zu und hatte viel zu viele Gedanken in meinem Kopf um tatsächlich einschlafen zu können. Vielleicht spielte auch das Gefühl eine Rolle, grade etwas zu verpassen, da man sich immer sicher sein konnte das irgendwo in unmittelbarer Nähe irgendetwas passierte an dem man gerne teilgehabt hätte. Zum Beispiel dem erneuten Schmausen im Chutney, diesmal gab   es vegane Lasagne die mit Merlin geteilt wurde. Als Max und Friederike wieder da waren, Friederike begeistert erzählt hatte wie viel Spaß ihr fixed fahren macht und die ersten Pläne geschmiedet wurden auch ihr ein Rad aufzubauen, fuhren Max und Ich direkt weiter zum Hill Sprint am Hammarbybacken, einer Skipiste mitten in Stockholm.
Nachdem wir uns die 85 Höhenmeter über Schotterpisten bei prallem Sonnenschein hochgekämpft hatten wurden wir mit einem Ausblick über Stockholm belohnt der die Strapazen sofort vergessen machte. Nach wenigen Minuten verließen wir den Gipfel um uns zu den anderen Leuten an den Start zu gesellen. Entlang des Weges standen in unregelmäßigen Abständen kleinere und größere Gruppen von Menschen, die eine Atmosphäre verbreiteten wie ich sie sonst eher an den legendären Anstiegen der Tour de France vermutet hätte. Jedes mal wenn ein Teilnehmer vorbei fuhr wurde unterstützend gejubelt und gegrölt was die Lunge hergab.
Die dumme Idee auf dem Weg hinab zu Skidden anstatt meine Bremse zu benutzen, bereute ich bereits nach wenigen Metern als mir einfiel, dass das wohl nicht besonders gut für die grade 10 Tage alte Decke ist.
Meine geistigen Fähigkeiten ließen an dem Freitag so und so zu wünschen übrig. Nach der durchgeskiddeten Decke und vorangegangenen Aktionen im Straßenverkehr, die ich im Nachhinein vielleicht lieber nicht gemacht hätte, bezweifelte ich schon ob die Teilnahme am Alleycat wirklich eine so gute Idee ist. Als Max es geschafft hatte einen Ersatzreifen für mein Hinterrad aufzutreiben, einigten wir uns darauf am Alleycat zwar teilzunehmen, aber eher entspannt zu fahren.

Nachdem der Hillsprint beendet war, fuhren alle gemeinsam zu einem Parkplatz am Fuße des Hügels, legten ihre Räder ab und stellten sich diszipliniert(naja mehr oder weniger) hinter einer Linie auf. Dumm nur, dass einer der drei auf diese Art und weise für wenige Minuten am Verlassen gehinderten Autofahrer partout nicht warten wollte. Also schnell die Fahrräder aus dem Weg geräumt und zurück hinter die Linie. Die bereits in die Speichen geklemmten Manifeste wurden von fast allen Teilnehmern sportlicherweise ignoriert. Lediglich eine kleine Gruppe U.S. Amerikaner tat sich negativ hervor, schnappte sich eines der Manifeste und erntete das verdiente Pfeifkonzert.

Countdown zum Start: Als ich nach links zu Max guckte, er im selben Moment zu mir, war für uns beide klar, dass wir den Vorsatz, gemütlich zu fahren, nicht einhalten werden. Ein konspiratives zunicken, das Startsignal ertönte und wir rannten wie die kaputten, übersprangen Fahrräder und Fahrer und waren relativ schnell an unserem Manifest/unseren Fahrrädern. Wir spurteten los, fuhren 200Meter später um die nächste Ecke in eine Parkbucht, suchten uns die Punkte auf der Karte zusammen und kombinierten sie zur schnellstmöglichen Route. Da wir keinen Kugelschreiber dabei hatten, liehen wir uns einen bei den Mädels und Jungs von Demarrage, die 20 Meter neben uns ebenfalls ihre Karte durchstöberten, mit dem Versprechen, ihn nach dem Rennen wieder zurück zu geben.
Nachdem wir alle Punkte auf der Karte gefunden und die Koordinaten auf dem Manifest vermerkt hatten, was gefühlt eine Ewigkeit dauerte (alter, wer macht das Straßenverzeichnis HINTEN auf die Karte, so das man sie jedesmal KOMPLETT ausfalten muss???), konnte es auch endlich losgehen. In der Zeit in der wir fuhren, waren wir ziemlich schnell und dank der guten Vorbereitung hatten wir uns auch die perfekte Route rausgesucht, dumm nur, dass wir direkt den ersten Checkpoint 10 Minuten lang suchen mussten, da wir die Karte an der Stelle falsch verstanden hatten…
Nach ca. einer Stunde Alleycat, 6 Checkpoints und einem schlecht gelaunten Fußgänger, der Max von seinem Fahrrad schubsen wollte, kamen wir endlich im Ziel an. Ein blick auf die Ergebnisse reichte, um unsere Laune in den Keller zu Katapulttieren. Irgendwo im Mittelfeld? Dabei sind wir so verdammt schnell gefahren! Aber unser Patzer am ersten Checkpoint reichte, bei einem Alleycat von der Länge verständlich, um nicht mehr in die Top 10 zu fahren. Fuck. Jetzt brauchten wir erstmal Trost und Zuspruch für 2 Mark aka: Pfeffi und Billigbier. Da ein Flamingo zu seinem Wort steht, (manchmal zwar nur mit einem Bein, aber er steht dazu) brachten wir dem Team Demarrage ihren Kugelschreiber zurück, unterhielten uns eine Weile mit ihnen und tranken das ein oder andere Bier.
Da Alkohol auf Dauer allerdings auch keine Lösung ist und ich es sowieso unbedingt machen wollte, schnappte ich mir erneut mein Rad und fuhr, mit einer Playlist aus Moses Pelham, Outcast, Gerard, Iggy Azalea und Prinz Pi, durch das autoleere Stockholm. Als ich das Headquater ca. 1,5Stunden später wieder erreichte, hatte sich die Party kaum verändert und war immernoch in vollem gange.
Vor der Tür saßen diverse Gruppen im Kreis und führten angeregte Konversationen und die ehemalige Anmeldung war zum Dancefloor umfunktioniert worden, auf dem tatsächlich ein paar Leute tanzten.
Nach einiger Zeit packte Max die Lust auch eine Runde Rad zu fahren und so verabschiedeten wir beide uns erneut für eine weitere Stunde von der Party um die nächtliche Stadt zu genießen. Wiedermal am Wasser sitzend und Bier trinkend führten Gespräche über dieses und jenes und verglichen uns mit den neugierigen paarungswilligen Enten die ihre Revierkämpfe direkt vor unseren Füßen ausführten.
Zurück an der Basis hatte sich die Party ausgedünnt, war jedoch noch lange nicht vorbei. Ich weiß nicht mehr genau mit wem und über was wir in dieser Nacht noch geredet haben aber ich weiß das ich zum Schluss, nachdem die Meisten schon friedlich schliefen, noch mit einigen U.S. Amerikanern und einem Typen aus Paris? im Headquater saß und über irgendetwas diskutiert hab. Irgendwann verabschiedete ich mich auch von der restlichen Gruppe da ich ja am nächsten Tag um 10Uhr am Unicampus zum Checkpoint bei der Qualifikation eingeteilt war. Drei Stunden Schlaf reichen mir ja im Prinzip auch…
Also ab in den nächsten Park, den Observatorielunden und den Schlafsack ausgebreitet. Gute Nacht, ihr Prinzen von Maine, ihr Könige von Neuengland.

Text: Jacob Wassermann/FMGX
Bilder: Max Siering/FMGX

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